TEMPORARY KITCHEN 2026 #4
cento. eating while listening session, mit Juliane Schmitt & Tamara Goehringer
Performance und Abendbrot im Innenhof von St. Mauritius
Do 22 Oktober, 18—20 Uhr
Treffpunkt: Innenhof der Kirche St. Mauritius, Mauritiuskirchplatz, 50676 Köln
Keine Anmeldung erforderlich! Die Veranstaltung ist kostenlos.
Am 22. Oktober laden Juliane Schmitt und Tamara Goehringer mit „cento. eating while listening session“ zu einer Performance und einem gemeinsamen Abendbrot in den Innenhof der Kirche St. Mauritius ein. Gegessen wird schweigend, wie in mittelalterlichen Klöstern. Dort begleitete eine einzelne Stimme die Mahlzeit: Während Hände und Münder aßen, hörten die Ohren. Das Lesen war ein eigener Dienst am Tisch und Teil des gemeinsamen Essens.
Ein Cento ist ein Text, der aus bereits vorhandenen Zeilen neu zusammengesetzt wird. Die Künstlerinnen verbinden unter anderem Sätze aus der Benediktsregel und den Schriften Hildegard von Bingens zu einer neuen Lesung. Zwei Stimmen wechseln sich ab, begleitet von Klangschleifen. Gleichzeitig werden die Geräusche des Essens hörbar: Brot wird gebrochen, Becher werden abgestellt, Besteck bewegt sich. Gewollt oder nebenbei entsteht daraus eine gemeinsame Komposition. Das Mahl wird zur Partitur.
Besucher*innen sind eingeladen, mitzuessen und zuzuhören, solange sie möchten.
Über die Künstlerinnen
Juliane Schmitt lebt in Brüssel, Tamara Goehringer in Frankfurt. Ihre Zusammenarbeit pendelt zwischen beiden Städten. Wäre diese Strecke ein Körper, läge Köln an einem Gelenk. Ein Gelenk verbindet und hält zusammen. Es kann Bewegung ermöglichen, aber auch Spannung, Stillstand oder Widerstand. In ihrer gemeinsamen Arbeit untersuchen sie Abhängigkeiten zwischen Körper und Stimme, Material und Handlung, Raum und Wahrnehmung.
Juliane Schmitt (alias smittness) arbeitet mit Klang und räumlicher Erzählung. Ihr Material ist die Stimme, dazu elektronische Instrumente und selbstgebaute Geräte. Sie untersucht, wie Zeit sich formt und im Körper erfahren wird: durch Wiederholung und Resonanz, zwischen Stille und Bewegung. Daraus entstehen Situationen genauen Zuhörens, in denen Zeit sich in minimalen Gesten entfaltet. Mehr zu Julianes Arbeit hier: https://www.smittness.com/
Tamara Goehringer arbeitet mit Stimme und Körper. Der Körper ist nie ganz der eigene. Ihn zu bewohnen wird zum Horror. Ihre Recherche folgt Figuren außerhalb der Norm, gleichzeitig verehrt und ausgestoßen. Aus ihnen entkommt die Stimme als Beweis, dass sie weiterklingt und selbst zum Körper wird. Mehr zu Tamaras Arbeit hier: https://www.tamaragoehringer.com/
Bild:
Juliane Schmitt & Tamara Goehringer