Listening Session mit TonDas
Im Dialog mit der Ausstellung ins Himmelszelt es leuchtet leuchtend rot von Nie Pastille findet das Tape-Konzert von TonDas am 3. Juli ab 19 Uhr statt.
Unangenehmes Unwohlsein, greifbare, spürbare negative Energie liegt wie eine Glocke über einem entvölkerten Ort. Eine Walze rollt unbeirrbar, mal hier, mal dort, mal schneller, mal sprunghaft, aber permanent. Wummern, kreischen, sirren. Immer ist unklar was als nächstes passiert, nur das Ziel ist klar. Brutale, menschenverachtende Rücksichtslosigkeit. Dazwischen Spuren und Hinterlassenschaften von verdrängtem Leben, von Glück und Freude. Überrollt, überdeckt, überfahren, überwuchert.
Zwischen 2019 und 2024 machte TonDas zahlreiche Fotos, Videos und Feldaufnahmen in der Kleinstadt Manheim und ihrer Umgebung. Da sich die Stadt immer weiter dem Rand des Hambacher Tagebaus näherte, war ihr Untergang unvermeidlich. Während der Dokumentation dieser Veränderungen war das elektrische Surren des Baggers allgegenwärtig, wie ein Tinnitus.
TonDas wählte siebzehn Stücke aus der Sammlung der Aufnahmen aus und fügte sie zu einer eindringlichen Komposition zusammen. Griesenbruch24 wandelte diese Stücke anschließend in Harsh-Noise- und Drone-Tracks um, ohne dabei ihre ursprüngliche Patina zu verändern.
Das Tape auf dem Kölner Label Südturm wird am Abend in der Temporary Gallery erhältlich sein.
Diese klangliche Ebene tritt in Dialog mit der Ausstellung und den Arbeiten von Nie Pastille. Während die TonDas-Aufnahmen Spuren eines verdrängten Lebens sichtbar und hörbar machen, verfolgt Nie Pastille eine Praxis des Sammelns und Bewahrens: Zweige, Stoffe, Fundstücke – scheinbar marginale Materialien werden zu Trägern von Erinnerung und Fürsorge. Hier begegnet die Idee der lebendigen Materie den konkreten Hinterlassenschaften eines ausgelöschten Ortes.
Sowohl die Aufnahmen aus Manheim als auch die künstlerische Auseinandersetzung mit alternativen Lebensformen und Bauwagenplätzen, die in der Ausstellung Himmelszelt es leuchtet leuchtend rot* verhandelt werden, verweisen auf Prozesse der Verdrängung im Kontext von Modernität und Kapitalismus. Orte werden ausgelöscht, weil sie nicht in das Bild einer funktionalen, ökonomisierten Landschaft passen. Lebensformen werden verschoben, ausgelagert, unterbunden. Die Veranstaltung verbindet diese Ebenen zu einem dichten Erfahrungsraum aus Klang, Material und Erinnerung.