'I AM THE DANGER!'*
The Art of TV Series
Sa 28 September, 17:30 Uhr

 

"Künstler-Fernsehserien" ist ein Programm der Temporary Gallery. Zentrum für zeitgenössische Kunst in Köln, das sich künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Medium Fernsehserie widmet. Sei bei der ersten Episode mit Screenings, Vorträgen und künstlerischen Interventionen dabei!

 

17:30–18:00 Uhr
Aneta Rostkowska: Einführung
Marta Sala: Präsentation der mobilen Installation für das Projekt "'I am the danger!' The Art of TV Series"

18:00–19:00 Uhr
Filmprogramm:
Richard Serra und Carlota Fay Schoolman, Television Delivers People, 1973
Christian Jankowski, Crying for the March of Humanity, 2012
Kate Davis, Weight, 2014
Melanie Gilligan, The Common Sense, 2014
Kim Heecheon, Sleigh Ride Chill, 2016

19:45–21:00 Uhr
Maeve Connolly: Televisual Remains And Social Bodies, Vortrag (Skype)

In den Pausen und 21–23 Uhr
Meryem Erkus: DJ-Set und Raf Andra: "5 : 5", Künstlerisch kulinarische Intervention

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*Walter White in "Breaking Bad"
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17:30
Marta Sala: Präsentation der mobilen Installation für das Projekt "'I am the danger!' The Art of TV Series"

Die mobile Kunstinstallation von Mateusz Okoński, Marta Sala und Dominika Szczałba-Żegleń wurde speziell für das Projekt "'I am the danger!' The Art of TV Series" entwickelt. Die Künstler ließen sich von amerikanischen Fernsehserien der 80er und 90er Jahre und der Faszination für amerikanische Populärkultur inspirieren, die zur Zeit ihrer Kindheit in Polen präsent war. "Denver Clan", "Twin Peaks", "Miami Vice", "Akte X", "Ausgerechnet Alaska" und "Baywatch" beeinflussten die soziale Vorstellungskraft, die gemeinsamen Träume und die Ängste. Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt für die Künstler war die lokale Gestaltung von Kölner Gebäuden und öffentlichen Räumen sowie die postmoderne Architektur in der Region. Die Installation schafft einen entspannten und inklusiven Raum, in dem man die Filme über einen langen Zeitraum betrachten und dann gemeinsam reflektieren kann. Außerhalb der Veranstaltungen fungiert sie als Ort, an dem das Publikum der Temporary Gallery Zeit verbringen kann. Die Objekte bilden das Interieur einer imaginären Fernsehshow, in der sich die Besucher neue Episoden einfallen lassen und sie inszenieren können.

Mateusz Okoński (* 1985 in Krakau, Polen) ist Künstler, Kurator, Sammler und Ausstellungsdesigner. Als Absolvent der Fakultät für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste in Krakau ist er Gründer und ehemaliger künstlerischer Leiter von Zbiornik Kultury am Malopolska Institute of Culture. 2010 gründete er mit Jakub Skoczek und Jakub Woynarowski die Kunstgruppe Quadratum Nigrum. QN graben Verschwörungstheorien und Risse in der Geschichte aus; sie verbinden klassische Werke der Avantgarde und Inspiration aus fernen Zeiten zu neuen und oft verblüffenden kompositionen. Er lebt und arbeitet in Krakau.

Marta Sala (* 1985 in Katowice, Polen) absolvierte einen Master in Malerei an der Kunstakademie in Krakau. Derzeit studiert sie Kunst im Kontext an der UdK in Berlin (dank DAAD-Stipendium). Sie ist Mitglied und Mitbegründerin der Künstlergruppe STRUPEK. Ihre künstlerischen Aktivitäten umfassen Malerei, Installation, Nähen, Kostümdesign, Performance, partizipative Kunst und Kunst im öffentlichen Raum.

Dominika Szczałba-Żegleń (* 1985 in Krakau, Polen) ist Künstlerin und seit 2007 Mitglied der Künstlergruppe STRUPEK. Sie studierte Grafik an der Kunstakademie in Krakau. Sie nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil. Ihre künstlerischen Aktivitäten umfassen Zeichnen, Miniatur, Konservieren und Collagen.

18:00
Filmprogramm:

Richard Serra und Carlota Fay Schoolman, „Television Delivers People“, 1973
„Television Delivers People“ ist eine wegweisende Arbeit in der mittlerweile etablierten Kritik der populären Medien als Instrument der sozialen Kontrolle, die sich durch „Entertainments“ subtil auf die Bevölkerung auswirkt. Während Muzak im Hintergrund spielt, prangert ein Lauftext die Maskerade des kommerziellen Fernsehens an, um die Profitstruktur aufzudecken, die die Räder der Medienindustrie schmiert. Indem er sich das Medium aneignet, das er kritisiert, indem er das Fernsehen praktisch gegen sich selbst einsetzt, wendet Serra eine charakteristische Strategie früher Video-Kollektive gegen Unternehmen an - eine Strategie, die für Videokünstler von zentraler Bedeutung bleibt, die sich für eine kritische Zerlegung der politischen und ideologischen Aspekte der Medien einsetzen Würgegriff.

Christian Jankowski, „Crying for the March of Humanity“, 2012
Jankowski bat Televisa, eine der größten lateinamerikanischen Fernsehgesellschaften, eine ganze Folge der mexikanischen Telenovela "La que no podía amar" (Derjenige, der nicht lieben konnte) zu reinszinieren. Während Skript, Drehorte, Besetzung und Postproduktion identisch blieben, ersetzt Jankowskis Fassung den gesamten Dialog der Schauspieler mit Weinen. Über Hörmuscheln konnten sie ihre ursprünglichen Zeilen verfolgen, sodass ihr Weinen synchron zur Originalfolge ist. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf ein Wandgemälde von David Alfaro Siqueiros - dem weltgrößten "La Marcha de la Humanidad en la Tierra yhacia el Cosmos" (Der Marsch der Menschheit auf Erden und in Richtung des Kosmos, 1965–1971). Das Weinen um den Marsch der Menschheit nimmt daher eins der typischsten Merkmale des Melodramas in sich auf - den Akt des Weinens - und verbindet es mit der Grandiosität von Siqueiros' Titel. Auf diese Weise schuf Jankowski einen komplexen Dialog zwischen zwei Formen von Massenmedien mit sozialem und politischem Einfluss: dem Wandbild und der Telenovela.

Kate Davis, „Weight“, 2014
„Ausgehend von einer BBC-Dokumentation über die Künstlerin Barbara Hepworth aus dem Jahr 1961 untersucht Weight, wie durch Fernsehdarstellungen von Kreativität unser Verständnis von künstlerischer Produktion und anderen Formen der Arbeit aufgebaut wurde. „Weight“ überarbeitet die Wertesysteme, auf denen dieser Dokumentarfilm basiert, und schlägt eine alternative Vision vor. “- Kate Davis

Melanie Gilligan, „The Common Sense“, 2014
Die 15-teilige Science-Fiction-Miniserie „The Common Sense“ zeigt, wie Technologien unser Verhalten und unsere Körper verändern. Es wird die Geschichte einer als „The Patch“ bezeichneten zukünftigen Technologie vorgestellt, die es ermöglicht, affektive und physische Erfahrungen direkt mit anderen Menschen zu teilen. Ungefähr zehn Jahre nach deren Erfindung besprechen Studenten in einem Seminar rückblickend die dadurch entstandenen Veränderungen. Die anfangs hoffnungsvoll eingeführte Technologie hat weder im Privatleben noch bei der Arbeit zu mehr Verständnis für den anderen geführt, sondern nur kapitalistische Optimierungsstrategien befördert. Besonders deutlich treten die negativen Auswirkungen von zutage, als das Netzwerk ausfällt: Weil sie es nicht mehr gewohnt sind, allein ohne Kontrolle beziehungsweise Rückmeldung des Netzwerks zu sein, geraten alle Figuren in einen Zustand der Verstörung und Orientierungslosigkeit.

Kim Heecheon, „Sleigh Ride Chill“, 2016
„Sleigh Ride Chill“ repräsentiert die zeitgenössische Stadt Seoul, ihre Bewohner und die Erforschung ihrer Welt. Drei verschiedene Geschichten greifen ineinander, während die Kamera durch die Innenstadt von Seoul navigiert: 1) In einer geht der Laptop einer Person verloren, und alle privaten Informationen werden im Internet veröffentlicht. 2) In einem Stream wird online gestreamt, während ein berühmtes Spiel aus der jüngeren Vergangenheit gespielt wird. 3) Ein Rundfunksystem, das die Geschichten von Koreas neuem "Selbstmordclub" abdeckt. Das Video zeigt auch bekannte digitale Technologien wie VR oder Face Swap und Schnittstellenanwendungen als nützliches Instrument zum Verständnis Koreas. Eine technologische Facette der „K-Zukunft“ - dargestellt durch Online-Punkte und eine Masse von Punkten, die direkt in die reale Welt (zurück) gehen, oder die Koexistenz der beiden Welten - zeigt nicht nur das Gesicht des heutigen Seoul, sondern auch auch das der zukünftigen menschlichen Welt.

19:45
Skype-Vortrag:
Maeve Connolly: Televisual Remains And Social Bodies

Das Verhältnis von Kunst und Fernsehen war jahrzehntelang von einer Opposition geprägt. Die Künstler wollten die etablierte Form des Mediums radikalisieren, standardisierte Produktionspraktiken ablehnen und gleichzeitig einen Zugang zu Fernsehvertriebsstrukturen und einem Publikum einfordern. Seit den frühen 2000er Jahren hat das Fernsehen jedoch seinen Status als dominierende kulturelle Form verloren und wird nicht mehr als Medium fortschrittlicher Technologie angesehen. Die Künstler griffen jedoch weiterhin auf spezifische Aspekte der TV-Form und -Infrastruktur zurück, wie z. B. serialisierte Erzählstrukturen, die Ästhetik von Live-Nachrichten und Filmmaterial aus Rundfunkarchiven. In diesem Vortrag wird untersucht, wie Künstler diese Reste oder Überreste des Fernsehens genutzt haben, um die laufenden Veränderungen in der Konstitution und Repräsentation sozialer und öffentlicher Körperschaften zu artikulieren und zu erforschen.

Maeve Connolly ist Medienwissenschaftlerin, die sich auf den kulturellen und ökonomischen Wandel von Kunst- und Medienpraxis konzentriert. Sie lebt in Dublin. Connolly ist Faculty of Film, Art & Creative Technologies am Dun Laoghaire Institute of Art, Design & Technology in Dublin, Irland, wo sie den MA in Art & Research Collaboration (ARC) mitleitet und Kunst unterrichtet. Sie ist Autorin von „TV Museum: Contemporary Art and the Age of Television“ (2014) über das Fernsehen als kulturelle Form, Gegenstand der Kritik und Ort der künstlerischen Intervention sowie „The Place of Artists' Cinema: Space, Site and Screen“ (2009) zu Aspekten der filmischen Wende in der Kunst. Zusammen mit Orla Ryan ist sie Mitherausgeberin von „The Glass Eye: Artists and Television“ (2000), einer Sammlung von Künstlerprojekten, die sich mit dem Fernsehen befassen. Als Autorin hat sie zu verschiedenen Anthologien, Katalogen und Magazinen beigetragen und zahlreiche Screening-Programme an verschiedenen internationalen Standorten kuratiert.

Meryem Erkus: DJ-Set

Für den Abend hat Meryem Erkus ein Set vorbereitet, das inspiriert ist von Musik aus Fernsehserien.

Meryem Erkus aka Diana Jones arbeitet in Köln vielseitig an den Schnittstellen Kunst und Klang. Als Gründerin des Kunst- und Projektraumes GOLD+BETON am Ebertplatz und der ehemaligen Subkultur-Nische Baustelle Kalk e.V. zeigt sie sich mitverantwortlich für viele Musik-Experimente und hybride Ausstellungsformen. Diese Bandbreite zeigt sich auch in Diana Jones‘ DJ Sets. Zwischen Elektronischem, Post-RNB, Vaporwave oder Kraut, finden sich hier für viele regelmäßige musikalische Neuendteckungen. Erkus ist Teil unterschiedlicher Kuratoren-Teams in der Stadt, unter ihnen die 1-wöchige (Klangkunst-)Ausstellung Brückenmusik, dem Stadtgarten Köln (mit der Reihe Sounds Wrong Feels Right), die FAR OFF – Cologne Contemporary Art Fair (Bereich: Performance), oder dem jungen Label baumusik, das einen großen Teil bildender KünstlerInnen zu seinem Katalog zählt. Für den Baustelle Kalk e.V. wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2016 mit dem Kölner Kulturpreis für Junge Initiativen.

Raf Andra: "5 : 5", Künstlerisch kulinarische Intervention

In seinem künstlerischen Beitrag zum Abend wird Raf Andra fünf Gerichte aus fünf berühmten Fernsehserien präsentieren und servieren, darunter "Sanguinaccio Dolce" aus Hannibal Lecter, "Blue Candy", inspiriert von "Breaking Bad" und die erstaunlichen Snacks von "Changs Frito Lunch" aus "Orange is the New Black".

Raf Andra ist zwischen Argentinien, Deutschland und Ecuador aufgewachsen. Er arbeitet mit digitalen Medien, Fotografie, Installation, simulierter Fotografie und Video. Er war der Gründer und Co-Direktor der Project 686 Gallery (2014-2018). Er arbeitete auch als Art Sales Consultant für den spanischen und südamerikanischen Markt und als Einkaufsassistent für Kunsthändler in Köln und Düsseldorf. 2018 gründete er einen gastronomischen Verein mit dem Ziel, über die Gastronomie mit künstlerischen und chemischen Konzepten zu experimentieren. Er lebt und arbeitet in Köln.


Bilder

1 —  Mobile art installation by Mateusz Okoński, Marta Sala and Dominika Szczałba-Żegleń
Foto: Tamara Lorenz