SYMPOSIUM: SPECULATIVE PEN — Fabulating Institutional Futures
Vom 9. bis 11. Juli laden wir gemeinsam mit dem Kunstverein Siegen und Kunstverein Bielefeld zum künstlerischen Symposium Speculative Pen: Fabulating Institutional Futures in die Temporary Gallery nach Köln ein. Drei Tage lang fragen wir gemeinsam mit internationalen Gästen aus Kunst, Kuration und Forschung, wie Kunstinstitutionen zukunftsfähig, gerecht und vernetzt bleiben können – im Rahmen des Programms Übermorgen der Kulturstiftung des Bundes.
Mit Cane Adina Erzi, Alistair Hudson (online), Nina Möntmann, Tamarind Rossetti und Stephen Wright, Paulina Seyfried, Meghna Singh, Benjamin Seroussi (online), Kathy-Ann Tan, Fatoş Üstek (online) und Franciska Zólyom. Verpflegung durch AMA.TWI.
Die Teilnahme ist kostenlos, das Symposium ist ein Hybridevent – es findet in Person und live gestreamt statt.
Anmeldung bis 1. Juli unter info@temporarygallery.org. Bitte sag uns bei der Anmeldung kurz, ob Du online oder in Präsenz teilnimmst.
Link zum Livestream: https://www.youtube.com/@temporarygallery7756/live
Informationen zum Symposium in Leichter Sprache
Symposium: Speculative Pen
Wie sollen Kunstinstitutionen in Zukunft aussehen?
Wann: 9. bis 11. Juli 2026
Wo: Temporary Gallery, Mauritiuswall 35, Köln
Kosten: kostenlos
Sprache: Englisch — mit kurzen Einführungen auf Deutsch und Übersetzung in die Leichte Sprache auf Deutsch
Die Teilnahme ist möglich: vor Ort in Köln oder online per Livestream.
Anmeldung bis 1. Juli: info@temporarygallery.org
Bitte schreib kurz, ob du online oder vor Ort dabei bist.
Worum geht es?
Wir laden zum Symposium Speculative Pen ein.
Ein Symposium ist eine Veranstaltung, bei der Menschen gemeinsam diskutieren und nachdenken.
Wir stellen uns eine Frage:
Wie können Kunstinstitutionen gerechter, offener und zukunftsfähiger werden?
Gerechter bedeutet: Alle Menschen sollen gleich behandelt werden.
Offener bedeutet: Alle Menschen sollen willkommen sein — nicht nur Fachleute.
Zukunftsfähig bedeutet: Die Institution denkt langfristig. Sie sorgt für Menschen und für die Erde.
Zusammen mit Künstler·innen, Kurator·innen und Forscher·innen aus verschiedenen Ländern suchen wir nach Antworten.
Die permakulturelle Institution
Eines der Hauptthemen des Symposiums ist die Idee der permakulturellen Institution.
Die Idee kommt aus der Permakultur. Permakultur bedeutet: langfristig denken, Zusammenhänge sehen, füreinander sorgen.
Das Modell hat drei Ideen:
Erstens: Nicht eine Person allein soll entscheiden. Viele Menschen sollen mitentscheiden.
Zweitens: Die Institution soll sich um die Gesellschaft kümmern. Das ist kein Extra — das gehört zur Mitte der Arbeit.
Drittens: Die Kunstwelt produziert oft zu viel, zu schnell. Wir wollen langsamer und bewusster arbeiten.
Kunstvereine als Überlebenskünstler·innen
Ein Kunstverein ist ein Ort für zeitgenössische Kunst.
Kunstvereine sind keine Museen.
Sie gehören der Gemeinschaft — nicht dem Staat und nicht privaten Eigentümer·innen.
Sie sind oft klein und haben wenig Geld. Trotzdem machen sie weiter. Trotzdem experimentieren sie. Das ist ihre Stärke.
Große Institutionen müssen sich selbst schützen und erhalten.
Kunstvereine sind freier. Sie sind näher an der Gemeinschaft.
Sie können beweglicher sein.
Das Symposium fragt: Wie kann diese schwierige Situation zur Stärke werden?
Wie können Kunstvereine noch enger zusammenarbeiten — miteinander und füreinander?
Was passiert beim Symposium?
Es gibt Gespräche, Vorträge und Workshops.
Wir schreiben gemeinsam.
Wir entwickeln Ideen.
Wir fragen: Was muss sich in Kunstinstitutionen verändern?
Workshop: Sprache schafft Wirklichkeit
Samstag, 11. Juli, 9:30–12:00 Uhr — geleitet von Paulina Seyfried
(anschließend Mittagessen von 12–13 Uhr)
Sprache beschreibt die Welt nicht nur — sie verändert sie. Wer klar spricht, öffnet Türen. Wer kompliziert spricht, schließt Menschen aus.
Im Workshop denken wir gemeinsam darüber nach:
Wie funktioniert Macht in Sprache — besonders in der Kunstwelt?
Welche Wörter schließen Menschen aus?
Welche Wörter laden ein?
Wir werden miteinander sprechen und schreiben.
Wir üben, einfacher zu kommunizieren — in unseren Institutionen und mit unserem Publikum.
Bitte bring etwas zum Schreiben mit.
Wer ist dabei?
Das Symposium veranstalten drei Institutionen gemeinsam:
die Temporary Gallery in Köln, der Kunstverein Bielefeld und der Kunstverein Siegen.
Eingeladen sind unter anderen: Cane Adina Erzi, Nina Möntmann, Tamarind Rossetti, Stephen Wright, Paulina Seyfried, Meghna Singh, Kathy-Ann Tan, Fatoş Üstek und Franciska Zólyom.
Das Essen kommt von AMA TWI.
Barrierefreiheit und Kinderbetreuung
Informationen zur Barrierefreiheit findest du der Website von Temporary Gallery.
Wir bieten Kinderbetreuung an. Bitte melde dich bei uns, wenn du Kinderbetreuung brauchst. Gib dabei das Alter deines Kindes an.
Bei Fragen oder besonderen Bedarfen: melde dich einfach bei uns. Das geht per Mail unter info@temporarygallery.org oder per Anruf zu unseren Öffnungszeiten Donnerstags bis Sonntags 12 bis 18 Uhr unter 0221 30234466 . Wir sind Aneta Rostkowska, Lisa Klosterkötter und Citra Amongsari und du bist mit all deinen Fragen zur Temporary Gallery bei uns willkommen.
Das Symposium bekommt Geld von einem Programm.
Das Programm heißt: Übermorgen.
Der volle Name ist: Übermorgen — Neue Modelle für Kulturinstitutionen.
Das Programm gehört zur Kulturstiftung des Bundes.
Bureau Ritter hilft bei der Arbeit.
Die Kulturstiftung des Bundes bekommt Geld von einer Stelle.
Diese Stelle heißt: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Speculative Pen ist ein künstlerisches Symposium in experimentellem Format, das institutionelle Selbstbefragung mit spekulativen Übungen zu wünschenswerten Zukünften von Kunstinstitutionen verbindet. Anstelle eines konventionellen Ortes der Wissensvermittlung ist die Veranstaltung als kollektiver Lernraum sowie als künstlerisch-kuratorische Intervention konzipiert, in der institutionelle Strukturen reflektiert und spekulativ erweitert werden.
Der Titel verweist auf den Kugelschreiber als Werkzeug administrativer und struktureller Praxis. Indem wir ihn als Speculative Pen neu interpretieren, untersuchen wir, inwiefern spekulative Ansätze dazu beitragen können, institutionelle Strukturen und die damit verbundenen Handlungsspielräume neu zu denken. Zugleich fragen wir, wie sich utopische Entwürfe in konkrete, situierte Spekulationen übersetzen lassen, die an bereits bestehende Praktiken anknüpfen.
Das Symposium ist ein offenes Forschungsprojekt von drei Institutionen — der CCA Temporary Gallery in Köln, dem Kunstverein Bielefeld und dem Kunstverein Siegen — im Rahmen des Programms Übermorgen — Neue Modelle für Kulturinstitutionen der Kulturstiftung des Bundes. Das Programm bringt fünfzig Kulturinstitutionen in ganz Deutschland zusammen, um neue Ansätze für ihre Zukunft als bedeutende Räume gesellschaftlichen Lebens zu entwickeln, insbesondere angesichts der tiefgreifenden Herausforderungen und Krisen unserer Gegenwart.
Über einen Zeitraum von achtzehn Monaten entwickeln die drei Institutionen gemeinsam ihre Arbeitsweisen weiter, erproben neue Modelle der Zusammenarbeit und Teilhabe und verfolgen die Frage, wie Kunstinstitutionen vernetzt, gerecht und zukunftsfähig bleiben können. Ihre kuratorische Praxis verbindet ein gemeinsames Verständnis von Ausstellungsarbeit als etwas, das in das urbane und soziale Gefüge der jeweiligen Städte hineinwirkt. Diskurs und Vermittlung werden dabei nicht als begleitende Formate verstanden, sondern als integraler Bestandteil kuratorischer Praxis selbst.
Ein konzeptueller Faden dieses Forschungsprozesses ist das Konzept der permakulturellen Institution, das Aneta Rostkowska in ihrem Essay Towards a Permacultural Institution (Islands of Kinship, Mousse Publishing, 2024) entwickelt hat. Ausgehend von Prinzipien der Permakultur — langfristigem Denken, Interdependenz und Sorge für lebendige Systeme — beschreibt das Modell Kunstinstitutionen als zugängliche und inklusive hybride Räume, die Funktionen von Gemeinschaftszentren und Ausstellungsräumen miteinander verbinden und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter*innen ebenso wie das der weiteren Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen.
Das Modell plädiert dafür, kuratorische Autorität zu dezentralisieren, soziales Engagement in die Kernstruktur der Institution zu integrieren und nachhaltige Praktiken zu kultivieren, die der überproduktiven, beschleunigten Logik der zeitgenössischen Kunstwelt entgegenwirken. Entscheidend ist dabei die Einsicht, dass ökologische und soziale Nachhaltigkeit stets zusammengedacht werden müssen — keine von beiden kann isoliert von der anderen adressiert werden.
Das Konzept wurde sowohl theoretisch als auch praktisch weiterentwickelt: zunächst im Rahmen des Sommerseminars Towards Perma-Cultural Institutions: Exercises in Collective Thinking (gemeinsam mit Julia Haarmann und Nada Rosa Schroer), in der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen im Jahr 2022 und anschließend durch die Workshopreihe Towards Permacultural Institutions: Curating Transformation an der CCA Temporary Gallery im Jahr 2023 (mit Nada Rosa Schroer). Dort wurden permakulturelle Ethiken — Earth Care, People Care und Fair Share — auf Fragen institutioneller Transformation im Kunstsektor bezogen.
Kunstvereine nehmen in der Kulturlandschaft eine besondere Position ein: chronisch unterfinanziert und zugleich beharrlich widerständig, funktionieren sie seit Langem als eine Art „Überlebenskünstler*innen“ — beweglich, gemeinschaftsnah und gerade deshalb in der Lage zu experimentieren, weil sie außerhalb der Logik großer institutioneller Selbsterhaltung agieren. Das Symposium fragt, wie diese strukturelle Prekarität als Bedingung für Solidarität neu gerahmt werden kann und wie sich tatsächlich kollaborative Praktiken innerhalb und zwischen diesen Strukturen entwickeln lassen.
Durch kollektive Schreibprozesse und Sessions kreativen Selbstausdrucks, angeleitet durch künstlerische Impulse, ebenso wie durch fiktive Exkursionen, Workshops — darunter Paulina Seyfrieds Language Creates Reality am dritten Tag —, Diskussionen und Vorträge widmen wir uns Fragen von Teilhabe und Öffentlichkeit sowie unterschiedlichen Organisationsformen und Möglichkeiten der Demokratisierung institutioneller Praxis.
Darüber hinaus beschäftigt sich das Symposium mit sozialer Nachhaltigkeit und prozessorientierter, kollaborativer Bildungsarbeit — einer Praxis, die inklusive Zugänge ebenso berücksichtigt wie dekoloniale und transkulturelle Perspektiven.
Die Veranstaltung bringt eine internationale Gruppe von Künstlerinnen, Kuratorinnen, Forscherinnen und institutionellen Praktikerinnen zusammen, darunter Cane Adina Erzi, Alistair Hudson (online), Andreas Maus, Nina Möntmann, Tamarind Rossetti und Stephen Wright, Paulina Seyfried, Meghna Singh, Kathy-Ann Tan, Fatoş Üstek (online) und Franciska Zólyom sowie weitere Gäste. Das Essen kommt von AMA TWI.
Einberufen von: Jennifer Cierlitza (Kunstverein Siegen), Lisa Klosterkötter und Aneta Rostkowska (CCA Temporary Gallery) sowie Victoria Tarak (Kunstverein Bielefeld).
Das Symposium wird per Livestream übertragen. Zur Anmeldung schreiben Sie bitte bis zum 1. Juli an info@temporarygallery.org. Informationen zur Barrierefreiheit der Veranstaltung finden Sie auf unserer Website. Bitte zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie besondere Bedarfe oder Fragen haben. Wir bieten Kinderbetreuung an, bitte schreiben Sie uns vorab im Zuge Ihrer Anmeldung, wenn Sie diese wahrnehmen möchten. Geben Sie dabei das Alter Ihres Kindes an.
Sprache: Englisch, mit Kurzeinführungen jedes Beitrags in einfacher Sprache auf Deutsch und Englisch
Samstag, 11. Juli, 9.30–12.00 Uhr Workshop mit Paulina Seyfried (anschließend 12–13 Uhr Mittagessen)
Gefördert durch Übermorgen — Neue Modelle für Kulturinstitutionen, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit Bureau Ritter als ausführendem Partner umgesetzt. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Zeitplan:
Donnerstag, 9. Juli
9:30–9:45 Uhr ANKUNFT Kaffee
9:45–10:15 Uhr BEGRÜSSUNG Einführung (livestream)
10:15–10:45 Uhr AKTIVITÄT Andreas Maus Gymnastik
10:45–11:45 Uhr VORTRAG Victoria Tarak Research project “O Ovo” – a toolbox for critical imagination (livestream)
11:45–12:30 Uhr VORTRAG Nina Möntmann Decentring the Art Institution for a Postmigrant Society (livestream)
12:30–13:30 Uhr MITTAGESSEN von AMA.TWI
13:30–14:30 Uhr VORTRAG Fatoş Üstek (online) The Art Institution of Tomorrow: Stewardship, Imagination, and Shared Futures (livestream)
14:30–15:00 Uhr KURATIERTE PAUSE Talk to someone you don’t know yet
15:00–16:00 Uhr WORKSHOP Kathy-Ann Tan Crisis, Accountability, and the Future (of) Art Institution(s): A Critical Reflective Practice Workshop
16:00–16:30 Uhr KURATIERTE PAUSE The Wheel of Emotions – How Do You Feel Today?
16:30–17:30 Uhr VORTRAG Meghna Singh Fiction and Fabulation as Institutional Rehearsals (livestream)
17:30–18:30 Uhr AKTIVITÄT Cane Adina Erzi & Lisa Klosterkötter Loosening Mental Screws – Small Perspective Labs in Nie Pastille's Exhibition
18:30–19:00 Uhr ABSCHLUSS Rückblick auf den Tag (livestream)
19:00 Uhr ABENDESSEN Gemeinsames Abendessen von AMA.TWI in der Temporary Gallery
Freitag, 10. Juli
9:30–10:00 Uhr ANKUNFT Kaffee
10:00–11:00 Uhr VORTRAG Alistair Hudson (online) How can public cultural institutions model new viable economic and social systems? (livestream)
11:00–12:00 Uhr AKTIVITÄT Lisa Klosterkötter Schreibübung
12:00–13:00 Uhr MITTAGESSEN von AMA.TWI
13:00–14:00 Uhr VORTRAG Aneta Rostkowska Permacultural Institution (livestream)
14:00–15:00 Uhr VORTRAG Tamarind Rossetti & Stephen Wright The Speculative Broadfork: Perma-artistic Projects on the 1:1 Scale (livestream)
15:00–15:30 Uhr KURATIERTE PAUSE Change of Position / Haltungswechsel
15:30–16:30 Uhr VORTRAG & DISKUSSION Paulina Seyfried Moving Beyond Transparency – Collaborative Practice Within Institutional Frameworks Präsentation, Diskussion in Kleingruppen
16:30–17:00 Uhr KURATIERTE PAUSE Topics Beyond the Art World
17:00–18:00 Uhr VORTRAG Benjamin Seroussi (online) (livestream)
18:00–19:00 Uhr VORTRAG Franciska Zólyom (livestream)
19:00–19:15 Uhr KURATIERTE PAUSE Directors' Meeting: Fictitious Institutions
19:15–20:00 Uhr ABSCHLUSSDISKUSSION Between Cuts, Project Logic, and Institutional Inertia: What Does It Really Take for Solidary Structures to Survive? Moderiert von Paulina Seyfried und Aneta Rostkowska
Samstag, 11. Juli
9:30–10:00 Uhr ANKUNFT Kaffee
10:00–12:00 Uhr WORKSHOP Paulina Seyfried Language Creates Reality
12:00–13:00 Uhr MITTAGESSEN Zubereitet von Temporary Gallery
BILD
Victoria Tarak, aus dem fortlaufenden künstlerisch-kuratorischen Forschungsprojekt O Ovo)
Wie das Ei eine schützende Behausung für Prozesse des Werdens bildet, ist es zugleich eine fragile Struktur, die auf die Notwendigkeit von Fürsorge und Aufmerksamkeit verweist und so zur Metapher für die ebenso behutsame, verletzliche und störbare Entstehung von Ideen wird. Die verschiedenen Eier im Bild scheinen miteinander in Dialog zu treten und verweisen auf das Symposium Speculative Pen als Ort kollektiver Praxis.
